Home » Beitrag verschlagwortet mit 'Hertha-Projekt'

Schlagwort-Archive: Hertha-Projekt

Mitglied im:

Newsletter-Abo

Alle 4 Wochen Neuigkeiten aus dem Coaching- und Lernstudio mit dem Newsletter frei Haus!

Lernstudio ist TutorWatch-Partner:

Beim Lernstudio sind die Lehrkräfte von Tutorwatch geprüft
Seit 2014 sind alle Lernstudio-Lehrer TutorWatch geprüft!

Das Hertha-Projekt: Der vierte Tag

Projekt Hertha_14 03 16_0534_bearbeitet-1
Auch am 4. Tag sitzen die Hertha noch dicht gedrängt im Stall

Mittlerweile haben sich die Herthas an ihre neue Umgebung gewöhnt. Zwei von ihnen quetschen sich mit den „alten“ Hühnern auf die Stange – die drei anderen schlafen am Boden im Einstreu. Doch so richtig mit den anderen, den alteingesessenen Hühnern, möchten sie noch nicht draußen herumlaufen. Vielleicht ist es dafür auch einfach zu kalt und zu ungemütlich.

Fütterung

Bisher haben die Legehybriden ausschließlich Hochleistungsfutter in Form von Legemehl erhalten. Das Legemehl fördert die Eierproduktion – und überfordert damit auch den Organismus unserer kleinen Herthas. Schon nach wenigen Jahren sind die Hybriden aufgebraucht, verbraucht. Das Legemehl enthält natürlich auch Soja- und Maissaaten – und die stammen überwiegend aus einer gentechnisch veränderten Produktion.

Legemehl vs. Körnermischung

Die "Großen" am Futterautomaten
Die „Großen“ am Futterautomaten

Wir füttern normalerweise Pellets mit ausgewogenen Inhaltsstoffen, gentechnikfrei. Die Besonderheit: Es sind dem Futter Kräuter beigemengt, die dem Huhn einen Schutz gegen die rote Vogelmilbe bieten. Ähnlich einem Menschen, der reichlich Knoblauch gegessen hat, so nehmen die Hühner dieses Futter mit dem Kräuterzusatz auf und nehmen einen Eigengeruch an, der die rote Vogelmilbe abschreckt.

In den ersten Tagen haben wir auf ein Mehl mit den gleichen Eigenschaften umgestellt. Auch schon mit einem niedrigeren Proteingehalt, aber halt in Mehlform um den Neuzugängen die Aufnahme zu erleichtern.

Gleichzeitig haben wir Muschelkalk angeboten, um die Calciumversorgung zu verbessern. Erstens schützen wir damit die Knochen unserer kleinen Herthas, und zweitens geht die Eierschale nicht so schnell kaputt. Instinktiv wissen die Herthas, was ihnen gut tut und haben sich auf die kleinen Muschelstückchen gestürzt.

Kalk für Knochen und Eierschalen

Doch wenn die Herthas die harten Muschelblättchen schlucken können, können sie auch Körnerfutter vertragen. Also haben wir das Legemehl erstmal wieder in die Ecke gestellt und unsere ganze Hühnerschar auf Körner umgestellt. Das nimmt den Legedruck von den Hybriden, sie werden in ein paar Tagen nicht mehr jeweils ein Ei täglöich, sondern vielleicht ein Ei alle zwei Tage legen.

Die Herthas entwickeln sich

Geht es den Herthas besser?
Geht es den Herthas besser?

Ob wir uns an den Anblick gewöhnen, oder ob es unseren Herthas tatsächlich schon besser geht? Wir können es nicht sagen. Erbarmungswürdig sehen die kleinen Körper immer noch aus. Wir nehmen auch Einzelheiten wahr: Die überlangen Krallen (die sich in Massentierhaltung nicht abnutzen können) zum Beispiel, oder die tiefen, kaum verschorften Pickwunden am Rumpf. Muskeln haben die Herthas kaum.

Der Versuch, die Krallen zu schneiden, haben wir schnell abgebrochen und auf die Zeit nach dem Urlaub verschoben. Kaum nehmen wir eine Hertha noch und setzen sie wieder ab, beginnt sie zu torkeln und kann nicht mehr gerade gehen. Der Kreislauf verträgt die Aufregung noch nicht. Das wird der Grund sein, warum die Herthas auch noch nicht draußen herumlaufen.

Für uns geht es jetzt erstmal in Urlaub. Drei Wochen lassen wir unsere Hühnerschar in guter nachbarschaftlicher Obhut. Ende April berichten wir weiter.

 

Das Hertha-Projekt: Der erste Tag – Teil 2

Im Laufe des Nachmittages legt eine unserer Herthas noch ein Ei. Insgesamt sind es fünf Herthas und fünf Eier. Doch wie schon in den Artikeln vorher erwähnt: Nach 14 bis 15 Monaten lässt die Legeleistung der Hybriden, also auch unserer Herthas, nach und ist für die gewerbliche Eierproduktion nicht mehr wirtschaftlich genug. „Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann jetzt gehen!“ Doch das nur am Rande.

Erste Ausgehversuche von Kundschafter-Hertha

Kundschafter-Hertha on Tour
Kundschafter-Hertha on Tour

Die Kundschafter-Hertha ist tagsüber mehrfach im Garten spazieren gewesen. Interessant zu beobachten, wie die anderen Hennen ihr ausweichen. Als ob sie Angst vor diesem dürren Gerippe mit buntem Mäntelchen hätten. Nur die Hähne, beides richtig schwere Brummer mit rund fünf Kilo Lebendgewicht, interessieren sich für die kleine Henne. Auch sie können nicht anders und müssen gleich beweisen, wer der Chef im Ring ist.

So sieht ein stolzer Mechelner-Hahn aus
So sieht ein stolzer Mechelner-Hahn aus

Vor Caruso, unserem Sundheimer-Hahn, kann sich Hertha noch in Sicherheit bringen. So langsam, wie gestern nach der Ankunft, ist sie gar nicht mehr. Doch wenig später versucht es der Mechelner-Hahn – und schafft es beinahe, sie zu treten. Da jedoch der ältere Sundheimer immer noch das Sagen in unserem Garten hat, muss er wieder von der Kleinen ablassen. Hertha hat jetzt erstmal genug, flüchtet in den Stall und schaut erst am Nachmittag wieder heraus. Kaum ist sie im Freilauf, läuft sie unserem Caruso über den Weg und wird heftig getreten. Zufällig können wir das aus dem Fenster beobachten und haben richtig Angst um die Kleine. Unnötig, wie sich kurze Zeit später zeigt. Der Hahn lässt von ihr ab, sie schüttelt sich genau wie die anderen, und setzt ihren Weg neugierig fort. Hölchstwahrscheinlich ist auch das wieder ein Erlebnis für Hertha, das sie zum ersten Mal hat. Macht nichts, wir können unsere Herthas sowieso nicht den ganzen Tag vor der Natur schützen. Und „kaputt“ gehen die Kleinen sowieso nicht so schnell.

Klare Rangordnung erleichtern das Leben im Hühnerstall

Verletzungen, ein anderes Thema. Im Moment klappt es mit unserer Hühnerschar sehr gut, selbst die zwei Hähne respektieren sich gegenseitig und hacken sich nicht blutig. Das kann sich mit den fünf Neuankömmlingen bald ändern.

Sundheimer (links) und Mechelner (rechts)
Sundheimer (links) und Mechelner (rechts)

Hühner haben ein festes, soziales Gefüge. Es gibt eine klare, selbst für uns außenstehenden Menschen zu erkennende, Rangordnung. Unser Sundheimerhahn Caruso ist der ältere und erfahrenere Hahn – und macht das auch deutlich. Auch wenn der halbstarke Mechelner es gelegentlich versucht, Caruso hat das Sagen. Die Hennen akzeptieren den Mechelner nicht automatisch. Während die Mechelner-Hennen sich von beiden Hähnen treten lassen, sind die Marans- und Sundheimer-Hennen auf Caruso fixiert. Die Marans-Hennen hacken sogar böse nach dem Mechelner, die Sundheimer werden von ihm ganz in Ruhe gelassen.

Auch die Hennen habe eine klare Rang- und, im wahrsten Sinne des Wortes, Hackordnung. Bei den drei Sundheimern ist das gut zu erkennen. Eine von ihnen ist etwas dünner, nicht ganz so wohlgenährt. Sie wird von allen anderen Hennen „gemobbt“, ist ganz unten in der Hierarchie. Es scheint auch so, als ob die Marans langsam aber sicher das Kommando übernehmen. Dabei sind sie kaum älter als die Mechelner und ein Jahr jünger als die Sundheimer.

Die Neuankömmlinge im Stall
Die Neuankömmlinge im Stall

Natürlich muss die Rangordnung festgelegt werden. Dies geschieht teilweise sogar mit Kämpfen untereinander, die durchaus blutig ausgehen können. Der Mensch sollte nicht eingreifen – es sei denn, es kommt zu schwerwiegenden Verletzungen. Wir lassen der Natur ihren Lauf und sind gespannt, wie die Integration der Herthas wohl ablaufen wird. Zur Zeit ist es noch so, dass die Hennen den Neuankömmlingen ausweichen. Doch wie es mit dem Futter und den besten Plätzen auf der Stange wird, wissen wir jetzt noch nicht.

Fütterung der Herthas

Legehybriden müssen Eier legen, ob sie wollen oder nicht
Legehybriden müssen Eier legen, ob sie wollen oder nicht

Wir haben schon ein paar Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Zum Beispiel die Fütterung von einmal täglich am Abend rund 120 Gramm pro Huhn auf permanent verfügbar umgestellt. Das nimmt den abendlichen Stress des Futterkampfes heraus und die Wahrscheinlichkeit ist recht hoch, dass die Herthas auch noch genügend abbekommen. Wie schon erwähnt haben wir auch auf Legemehl umgestellt, damit die Nahrungsaufnahme auch mit kupierten Schnäbeln möglich ist. Glücklicherweise sind unsere Herthas nicht kupiert, wir fangen ab morgen damit an, die Fütterung langsam auf Körner umzustellen. Körner haben den Vorteil, dass der Legedruck bei den Hybriden geringer wird. Wir brauchen keine 10 Eier am Tag durch hochproteinhaltiges Futter – und die Hennen auch nicht. Die Umstellung muss nur langsam erfolgen, eine zu schnelle Umgewöhnung schadet den Organen.

Weiterlesen am 16. April …

 

Das Hertha-Projekt: Der erste Tag – Teil 1

Die mutigsten Herthas haben die Nacht auf der Stange verbracht
Die mutigsten Herthas haben die Nacht auf der Stange verbracht

Wir sind immer noch betroffen vom Zustand unserer Neuankömmlinge. Es beschäftigt uns und ist immer wieder Thema in Gesprächen. Wir posten bei Facebook, schreiben SMS und WhatsApp, erzählen es Freunden und Bekannten am Telefon und bei persönlichen Begegnungen. Dabei wissen wir aber ganz genau, dass unseren Gesprächspartnern die Vorstellungskraft fehlt. Wir haben es ja auch zur Kenntnis genommen, haben uns pflichtgemäß betroffen gezeigt und über die Eierfabriken empört – und ertappen uns dann doch wieder beim Kauf der Geflügelwurst und der Hähnchenbrustfilets. Oder des Eiersalates einer Metzgerei in Weilmünster, der doch so gut schmeckt. Wir haben das Gefühl, unserer Gesprächspartner verstehen uns nicht – bei allem gezeigten Verständnis. Wir laden ein: „Schaut euch die armen Viecher doch einmal an!“ Aber so richtig angenommen wird die Einladung nicht. Hätten wir doch auch nicht getan. Wir lassen uns nicht gerne mit den Folgen unserer eigenen Gedankenlosigkeit konfrontieren.

Integration beginnt automatisch

Doch es gibt auch Lichtblicke. Die beiden Herthas, die gestern Abend  auf die Stange geflattert sind, sitzen da am Morgen noch immer. Fast hätte ich „gesund und munter“ geschrieben – aber Sie wissen, was ich meine. Eine von ihnen macht sich später immer wieder auf, den großen Auslauf zu erkunden. Wenn es die Hertha ist, die auch gestern schon unsicher durch den Garten stakste, dann ist sie jetzt viel, viel sicherer geworden.

Trotz Stress: Unsere Herthas müssen Eierlegen, das ist ihre Natur

Vier Eier am Morgen, ein weiteres Ei im Laufe des nachmittags: Hybriden sind zum Eierlegen gezüchtet
Vier Eier am Morgen, ein weiteres Ei im Laufe des nachmittags: Hybriden sind zum Eierlegen gezüchtet

Vier weiße Eier finden sich im Stall. Richtig große Eier, freuen wir uns zunächst. Und dann ziehen wir einen Vergleich zwischen Körpergröße, Gewicht und Eiergröße – und sind schon wieder erschrocken. Natürlich wissen wir, dass Legehybriden wie unsere weißen Herthas und unsere braune Bertha auf Leistung gezüchtet sind. Auf möglichst große und schwere Eier sind sie spezialisiert. Bei Bertha ist das selbstverständlich geworden in den letzten zwei Jahren – bei ihr ist aber auch das Missverhältnis zwischen Körpergröße und -gewicht nicht gar so hoch. Sie sieht eigentlich, besonders nach der letzten Mauser, richtig propper aus.

Wie anders ist das mit unseren Neuankömmlingen. Die Herthas sind klein und dürr, können sich, mit einer Ausnahme, kaum auf den Beinen halten. Sie drängen sich nicht mehr alle fünf um die Wärmelampe, sondern entfernen sich doch ein kleines Stückchen. Aber Eierlegen, selbst nach einem anstrengenden und aufregenden Tag, das haut noch hin. Die im Verhältnis gesehenen Rieseneier aus der Handvoll Huhn wiegen bis zu 71 Gramm. Im Vergleich dazu wiegen die Eier unserer Marans-Hennen (ca. 2,5 bis 3 kg) rund 80 Gramm.

Lebenserwartung von Hühner im Allgemeinen und Legehybriden im Besonderen

Bertha sieht richtig propper aus nach der Mauser
Bertha sieht richtig propper aus nach der Mauser

Das erklärt auch, warum Legehybriden eine so geringe Lebenserwartung haben. Während Haushühner durchaus fünf bis sieben Jahre, in Einzelfällen sogar acht bis neun Jahre alt werden können, sind die für die Eierproduktion gezüchteten Hybriden meist schon nach zwei oder drei Jahren „verbraucht“ und sterben wenig später eines natürlichen Todes. Soweit kommt es in der Massentierhaltung natürlich nicht. Über den Kochtopf brauchen wir auch nicht nachzudenken. Unsere Herthas erhalten bei uns noch einen vergleichsweise schönen Platz mit regelmäßigem Futter und frischem Wasser bis an ihr natürliches Lebensende. Nicht nur, dass der Schutzvertrag von „Rettet das Huhn e.V.“ das so vorsieht – es ist auch, ganz pragmatisch gedacht, an den armen Geschöpfen nichts dran.

Weiterlesen am 15. April …

 

Das Hertha-Projekt: Die Herthas von ‚Rettet das Huhn‘ ziehen ein

Ganz unvorbereitet sind wir natürlich nicht an das Hertha-Projekt herangegangen. Die Fütterung unserer Hühnerschar wurde schon vor ein paar Tagen umgestellt. Von einmal täglich am Abend auf durchgehende Fütterung während des Tages. Der Futterautomat wird nicht mehr leer. Das soll den Stress mit den Neuankömmlingen, die sich ja erst noch integrieren müssen, herausnehmen. Normalerweise werden Pellets verfüttert, hergestellt ohne Anteil von genmanipulierten Zutaten und mit Zugabe von natürlichen Kräutern, zum Schutz gegen Milbenbefall. Jetzt gibt es das für die Legehybriden gewohnte Legemehl. Auch im Hinblick auf möglicherweise kupierte Schnäbel treffen wir diese Vorsichtsmaßnahme.

Hühner sind soziale Wesen und interagieren untereinander

Kaum zu glauben: Dies sind fünf Herthas
Kaum zu glauben: Dies sind fünf Herthas

Als wir die erste Hertha aus dem viel zu großen Karton nehmen, können wir es kaum glauben. Diese Hochleistungshühner wiegen kaum etwas und sind am ganzen mageren Körper blutig. Was geht in so einem riesigen Hühnerstall mit 1500 Artgenossen wohl ab? Hühner sind sehr soziale Tiere und auf die Rangordnung bedacht. Gibt es Rangordnungskämpfe? Die Verletzungen scheinen eher etwas mit Langeweile zu tun zu haben. Federpicken bei den Nachbarn. Wir kennen das nur aus den Büchern. Die Hybriden in der Massentierhaltung gewöhnen sich solche Unarten aus Langeweile an. Die kommt bei unseren Hühnern nicht auf, sie haben genügend Auslauf im Garten.

Schlimm sehen unsere Neuzugänge aus
Schlimm sehen unsere Neuzugänge aus

Wir machen ein Vorher-Nachher-Foto und ziehen unseren Herthas ihre Mäntelchen an. Ein bisschen komisch kommen wir uns schon vor – aber es scheint nicht anderes zu gehen. Irgendwie müssen wir die Neuankömmlinge vor der Kälte, den Alteingesessenen und vor sich selber schützen. Dann setzen wir sie auf den Stallboden unter die Wärmelampe.

Noch ein paar Fotos, dann retten wir uns -völlig durchgefroren- ins Wohnzimmer. Die Herthas überlassen wir ihrem Schicksal. Helfen können wir jetzt sowieso nicht mehr. Hauptsache sie haben Futter und frisches Wasser zur Verfügung.

Mit Mäntechen geht's schon viel besser
Mit Mäntechen geht’s schon viel besser

Die Hähne kommen als erste zum Stall um zu schauen, was es dort denn so lange gegeben hat. Sie bleiben draußen stehen und begutachten misstrauisch die Neuzugänge. Die sind auch wirklich nicht besonders nett anzuschauen. Die Mäntelchen tun das ihre, um die Herthas wie Wesen von einem anderen Stern aussehen zu lassen.

Erste Integrationsbemühungen

Langsam beginnen die Herthas, ihr neues Zuhause zu erkunden. Sie müssen erst Laufen lernen – dazu hatten sie in ihrem bisherigen Leben noch keine Chance. Eine Hertha bewegt sich nur kriechend vorwärts, eine andere liegt unter der Wärmelampe und bewegt sich überhaupt nicht. Und doch, da ist eine Hertha, die auf wackeligen Beinen steht und anfängt, im Einstreu zu scharren. Wahrscheinlich zum ersten Mal in ihrem Leben. Es ist auch wohl die Hertha, die sich wenige Minuten später aufmacht, die Welt zu erkunden. Beim Blick aus dem Wohnzimmerfenster entdecken wir sie im Garten. Wackelig läuft sie durch das Freigehege, kippt auch schon mal um. Aber sie ist neugierig, pickt da und dort mal etwas vom Boden auf. Die anderen Hühner gehen ihr aus dem Weg. So ganz geheuer ist ihnen der Zugang noch nicht.

Wie die Hühner auf der Stange - zwei Herthas hinten links
Wie die Hühner auf der Stange – zwei Herthas hinten links

Beim Schließen der Stalltür sitzen zwei Herthas auf der Stange, nur noch drei Hühner drängen sich in den Bereich der Wärmelampe. Ein ganz wichtiger Schritt zur Integration unserer Neu-Hybriden ist getan. Wir sind gespannt auf den nächsten Tag.

Weiterlesen am 14. April …

Das Hertha-Projekt: Die Vorgeschichte

Bertha - mittlerweile unsere älteste Henne
Bertha – mittlerweile unsere älteste Henne

Bertha – Wer im Lernstudio Weilburg kennt sie nicht! Die braune Hybrid-Henne gehört zu den ersten vier Hühnern, die in den Garten hinter dem Lernstudio eingezogen sind. Ihre drei Kolleginnen leben längst nicht mehr. Habicht und Marder und eine Legenot haben den Bestand der auf das Eierlegen spezialisierten Hennen schon früh dezimiert. Bertha ist relativ alt, sie legt nicht mehr jeden Tag ein Ei. Das braucht sie auch nicht. Ihre Kolleginnen, die Sundheimer, Marans und Mechelner haben den Job für sie übernommen. Bertha hat soviel Eier in den letzten zwei Jahren gelegt, dass sie sich einen schönen Lebensabend als Lernstudio-Huhn verdient hat.

Verwerter – Endstation in der Massentierhaltung

Schwer zu erkennen, oder? Dies ist ein lebendes Huhn
Schwer zu erkennen, oder? Dies ist ein lebendes Huhn

Heute sind fünf neue Hybriden in den Hühnerstall eingezogen. Sie stammen aus einer Massentierhaltung in Nordrhein-Westfalen. Wurden mit rund 1500 anderen Legehennen in Bodenhaltung in einen großen Stall eingepfercht. Nicht mehr als eine Dina4-Seite hat jedes Huhn zur Verfügung. Sie sind ungefähr 14 oder 15 Monate alt. In diesem Alter lässt die Legeleistung nach, sie werden für den Geflügelhofbetreiber unwirtschaftlich. Neue, frische Legehennen müssen her – doch dafür muss der Stall leer sein. Das übernehmen sogenannte Verwerter. Sie zahlen ein paar Cent für jedes Huhn, übernehmen ohne Rücksicht auf das Wohl der Tiere die Ausstallung und verwerten das, was noch zu verwerten ist. Ein wenig erinnert das Wort „Verwertung“ an Autoverwertung.  Ja, genauso ist es. Nur Autos verspüren keinen Schmerz, sind keine Lebewesen.

„Rettet das Huhn“

Diesmal läuft es für die Hennen aus diesem einen Geflügelhof völlig anders. Der Verein „Rettet das Huhn“ übernimmt die ausgedienten 1500 Hennen und vermittelt sie in gute Hände. An Menschen, die den Hochleistungshühnern einen Platz geben bis zu ihrem natürlichen Tod.

Aus dem Käfig in die Freiheit
Aus dem Käfig in die Freiheit

Am frühen Samstagmorgen sind die ehrenamtlichen Tierschützer aus Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und aus dem hessischen Niederbrechen mit gemieteten Transportern ins Münsterland gefahren, haben die Ausstallung der Hennen übernommen und sind dann mit der laut gackernden, aufgeregten Hühnerschar zurück in ihre Heimatorte gefahren. Dort warten bereits die neuen Besitzer mit zum Teil einfallsreichen Behältnissen für den Weitertransport in den neuen Stall.

Weiterlesen am 12. April …