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Das Hertha-Projekt: Was uns erwartet

Unter der Wärmelampe
Unter der Wärmelampe

Auch wir warten in Niederbrechen an der Schule im Emsbachtal auf die Ankunft der Hennen. Eine ziemlich große Schar hat sich eingefunden um bis zu 10 Hennen mit nach Hause zu nehmen. Wir stehen in der Kälte herum, immerhin regnet es heute nicht, und kommen mit dem einen oder anderen ins Gespräch. „Wir haben den Keller hergerichtet, mit Stroh, es wird wohl noch zu kalt für die armen Kreaturen sein,“ erzählt das Ehepaar aus Thalheim. Die Tierschützerin aus Weilmünster sieht es etwas gelassener: „Im Stall ist es warm und auch die Neuankömmlinge werden selbst entscheiden, ob sie drinnen bleiben oder lieber draußen herumlaufen.“

Schreckliche Fernsehbilder versus Wirklichkeit

Alle haben schon die schrecklichen Bilder von Hühnern ohne Federn und mit schrecklichen Fehlbildungen oder Verletzungen im Internet oder im Fernsehen gesehen. Aber was da nun wirklich aus dem Westfälischen nach Niederbrechen kommt, kann sich kaum jemand vorstellen. „Es werden doch sicher nur die schlimmsten Bilder gezeigt, die sehen doch nicht alle so aus … es wird schon nicht so schlimm sein,“ waren die Gedanken.

Wir sind blauäugig nach Niederbrechen gefahren. Um 15 Uhr sollten wir da sein, um unsere fünf Herthas (wie wir sie schon im Vorfeld getauft haben) zu übernehmen. Karton in den Kofferraum, Platz genug für die Hennen. Ein bisschen eng sollen sie sitzen, damit die Rückfahrt nicht durchs Rutschen zu unruhig wird. Wie sehr haben wir uns da getäuscht. Im Hühnerstall wurde schon am Morgen gemistet, Tränken und Futterspender noch einmal gereinigt.

Kisten mit den geretteten Hybriden
Kisten mit den geretteten Hybriden

Die hinteren Türen des Lieferwagens gehen auf – und es ist viel schlimmer als gedacht. Die Hennen sehen wirklich so aus, wie in den TV-Dokumentationen über Massentierhaltung. Kaum Federn, dürr, die Haut an vielen Stellen angekratzt und abgeschürft. Der stolze Kamm hängt traurig über den Augen, labberig, ohne Festigkeit. Dabei soll es den Legehennen doch eigentlich in der Bodenhaltung ganz gut gehen. Immerhin werden 64% aller Legehybriden, das sind 26,8 Millionen Hühner, am Boden gehalten (Zahlen aus 2012). Die Deutschen kaufen also ihre Eier überwiegend aus Bodenhaltung. „Und die tierischen Produzenten sehen dann so aus …,“ läuft uns wie ein kalter Schauer den Rücken herunter. Auch wir haben Zeit unseres Lebens Eier von solchen armen Kreaturen gegessen. Nachträglich schüttelt es uns.

Warum will niemand die Weißen?

Jetzt verstehen wir auch, warum Annika Neuhoff von Rettet das Huhn neben das Spendenglas einen Stoß Hühnermäntelchen zum Mitnehmen legt. Sie sollen die Tiere vor weiteren Verletzungen bewahren und den Körper zumindest ein wenig vor der Kälte schützen. Natürlich nehmen wir fünf Mäntelchen mit.

Weiße Hennen sind bei den Tierschützern nicht so besonders gefragt. Alle wollen braune Hühner. Den Grund erfahren wir nicht, auf Nachfragen heißt es: „Das ist so ein Gefühl, weiße Hühner sehen schnell schmutzig aus.“ Vielleicht spielt ja auch die Sichtbarkeit für Greifvögel eine Rolle. Unsere weißen Sundheimer sind aus der Luft gut zu erkennen und werden deshalb häufiger zur Beute. Wir nehmen also weiße Herthas – die, die von den anderen Abholern nicht so gerne genommen werden. Vor dem Habicht müssen wir sowieso schützen.

Wärmelampe gegen die Frühjahrs-Kälte

Mit unseren Herthas fahren wir noch im Elektromarkt vorbei. Trotz Mäntelchen  brauchen wir eine Wärmelampe – die für 19,99 Euro tut es voll und ganz. Dann sind wir zu Hause. Keller? Warm und trocken. Aber nicht vorbereitet, es wäre eine Riesenaktion, einen Kellerraum auszuräumen und herzurichten. Wir entscheiden uns für den Stall. Eine dicke Lage Strohpellets schützt vor der Bodenkälte. Für die Wärmelampe gibt es eine Steckdose. Futter, Wasser, Sitzstangen, Legenester – alles ist vorhanden. Unsere Neuankömmlinge haben die Möglichkeit, zwischen drinnen und draußen zu wechseln. So, wie sie die neue Welt für sich entdecken wollen und können.

Weiterlesen am 13. April …

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